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Equal-Earth-Weltkarte: Ändert die UN-Resolution etwas für die Seefahrt?

Die UN-Generalversammlung hat sich für die flächentreue Equal-Earth-Projektion statt der gewohnten Mercator-Weltkarte ausgesprochen. Wer das in den Nachrichten gesehen hat und sich fragt, ob sich dadurch etwas an Seekarten oder der Navigation ändert: Kurz gesagt nein – die Resolution betrifft allgemeine Weltkarten, nicht die nautische Praxis.

Verfasst von Frank Römer, ehrenamtlicher Ausbilder für den Motorbootführerschein.

Stand: September 2026 – Angaben ohne Gewähr auf Basis öffentlich zugänglicher Berichterstattung.

Auf einen Blick

Was die UN beschlossen hat

Am 4. September 2026 hat die UN-Generalversammlung mit 164 zu 1 Stimmen (die USA stimmten dagegen) die von Togo initiierte, nicht bindende Resolution „Correcting the Map" verabschiedet. Sie ruft Regierungen, Bildungseinrichtungen, Medien und Technologie-Unternehmen dazu auf, dort, wo die relative Größe von Ländern und Kontinenten eine Rolle spielt, flächentreue Projektionen wie Equal Earth statt der klassischen Mercator-Weltkarte zu verwenden. Hintergrund ist, dass die Mercator-Projektion Flächen in höheren Breiten stark vergrößert darstellt – Grönland wirkt darauf etwa so groß wie Afrika, obwohl Afrika real rund 14-mal größer ist. Frankreich hat angekündigt, die Mercator-Darstellung für allgemeine Weltkarten künftig aufzugeben.

Die Resolution verbietet die Mercator-Projektion ausdrücklich nicht, sondern spricht eine Empfehlung aus. Für die nautische Praxis – amtliche Seekarten, elektronische Seekarten (ENC) und die Kursplanung an Bord – ändert sie nichts, da diese Bereiche eigenen internationalen Standards (unter anderem der Internationalen Hydrographischen Organisation, IHO) folgen und von der Resolution nicht adressiert werden.

Warum sich an Seekarten trotzdem nichts ändert

Für die Navigation sind andere Eigenschaften einer Kartenprojektion entscheidend als für eine politische oder didaktische Weltkarte: Richtungen und Peilungen, Entfernungen und Maßstab, Kurslinien sowie die exakte Darstellung von Küsten und Seewegen. Jede Weltkartenprojektion verzerrt zwangsläufig irgendeine dieser Eigenschaften – Equal Earth verzerrt, wie andere flächentreue Projektionen auch, Formen, Winkel und lokale Maßstäbe.

Eine konstante Kompasskurslinie – eine sogenannte Loxodrome – verläuft auf der Mercator-Karte als gerade Linie. Deshalb wird die Mercator-Projektion traditionell für nautische Karten verwendet: Ein Schiff kann darauf einen konstanten Kompasskurs als Gerade einzeichnen und muss die Richtung nicht laufend neu berechnen. Auf einer Equal-Earth-Karte wäre dieselbe Kurslinie im Allgemeinen gekrümmt und könnte zu falschen Kurs- oder Entfernungsabschätzungen führen.

Hinweis: Für sehr lange Strecken über weite Distanzen wird in der Praxis oft ergänzend die gnomonische Projektion herangezogen, auf der Großkreise (die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten auf der Erdkugel) als Gerade erscheinen – das ist ein eigenständiges Werkzeug für die Streckenplanung und unabhängig von der aktuellen UN-Resolution.

Wofür Equal Earth trotzdem nützlich ist

Die Equal-Earth-Projektion wurde 2018 speziell dafür entwickelt, Flächen realistisch darzustellen, und eignet sich gut für globale Übersichtskarten, die Darstellung von Schifffahrtsrouten auf Weltebene, Meeresflächen- und Klimadaten, den Vergleich von Seegebieten sowie für Unterricht und Kartografie allgemein. Für eine konkrete Reise- oder Kursplanung taugt sie aber höchstens als grobe Übersicht – nicht zum Steuern oder für präzise Navigation.

Was das für deine Prüfungsvorbereitung bedeutet

Die amtlichen Fragenkataloge für SBF-See und SBF-Binnen behandeln weiterhin die Mercator-Seekarte, Kursbestimmung und Loxodrome wie bisher. Wer sich gerade auf die Theorieprüfung vorbereitet, kann unverändert mit dem bestehenden Stoff weiterlernen – an der Kartenkunde in der Prüfung ändert die UN-Resolution nichts.

Häufig gestellte Fragen

Muss ich meine Seekarten oder mein Kartenplotter jetzt umstellen?

Nein. Die UN-Resolution richtet sich an allgemeine Weltkarten in Bildung, Medien und Technologie-Plattformen, nicht an amtliche Seekarten. Diese folgen weiterhin den internationalen Standards der IHO und bleiben Mercator-basiert.

Warum ist Mercator für die Navigation überhaupt so wichtig?

Auf der Mercator-Projektion erscheint eine Loxodrome – ein konstanter Kompasskurs – als gerade Linie. Das erlaubt es, einen Kurs mit Lineal und Kompass direkt in die Karte einzuzeichnen, ohne die Richtung während der Fahrt laufend neu zu berechnen.

Ist die UN-Resolution überhaupt verbindlich?

Nein, sie ist nicht bindend. Sie verbietet die Mercator-Projektion nicht, sondern empfiehlt flächentreue Projektionen wie Equal Earth dort, wo es auf die relative Größe von Ländern und Kontinenten ankommt.

Wird die Equal-Earth-Projektion in der Prüfung zur Kartenkunde relevant?

Nein. Die amtlichen Fragenkataloge für SBF-See und SBF-Binnen behandeln weiterhin die Mercator-Seekarte, Kursbestimmung und Loxodrome – daran ändert die UN-Resolution nichts.

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